Vom Börsenhai zum Bikehersteller:
Joe Montgomery gründete 1972 Cannondale.

Future Shock: Federung und Motorradoptik. Sehen so die Bikes der Zukunft aus ?

Da fehlt doch was: Das Cannondale kommt
ohne Sitzrohr und Hinterbaustreben aus.
Echt scharf: Die Pepperoni-Gabel am
Super-V 3000 vermittelt ein direktes
Lenkverhalten.

PORTRAIT: JOE MONTGOMERY
 Cannondale verdankt seine Gründung einem Aussteiger: Joe Montgomery, in seiner Freizeit ein leidenschaftlicher Outdoor-Fan, arbeitete an der Börse in der Wall Street. 1972 kehrt er dem hektischen Treiben um den schnellen Dollar den Rücken und beginnt, Fahrradanhänger zu produzieren. Später erweitert er sein Programm um Rucksäcke und robuste Fahrradtaschen. 1982 kommt das erste Bike dazu: Die amerikanische U-Boot-Branche steckt in einer tiefen Krise und läßt den U-Boot-Ingenieur Dave Graham bei Cannondale auftauchen. Er konstruiert das Reiserad T-1000 - mit den Cannondale-typischen, dicken Aluminiumrohren. 1985 kommt das erste Mountainbike von Cannondale auf den Markt, das zusammen mit den Klein-Modellen Vorbild für eine ganze Generation von Overzised-Aluminiumrahmen ist. 1990 bringt Cannondale das erste Bike mit Hinterradfederung. In jüngster Zeit setzen die Alu-Spezialisten verstärkt auf Vollfederungen. Aus Joe Montgomerys Fahrradanhänger-Werkstatt ist heute eine große Firma mit zwei Werken in Pennsylvania, drei Forschungszentren und 350 Angestellten geworden.

DESIGN UND OPTIK:
 Cannondale lehnt sich bei dem Design seines vollgefederten Topmodells stark an bewährte Konzepte aus der Motorradbranche an. Kein Wunder, denn schließlich sind die beiden Konstrukteure Mark Ferris und Chris d´Alusio beides alte Motorradspezialisten. Von der Optik her könnte die verwindungssteife Bananenschwinge mit ihrer breiten Lagerung auch an einem 125er werksrenner ihren Mann stehen. Das hintere Federelement stammt vom amerikanischen Federungsspezialisten Fox, der unter den Motocrossern einen sehr guten Ruf genießt. Die Frontfederung gehört ebenfalls zu den aufwendigsten und wirkungsvollsten Lösungen, die der Bike-Markt derzeit zu bieten hat.

FAHREIGENSCHAFTEN:
 Der Fahrer nimmt auf dem vollgefederten Super V 3000 eine sportliche Fahrposition ein, die sich hervorragend für einen aggressiven Fahrstil eignet. Schnelle Abfahrten meistert das Super V durch das relativ spurtreue Lenkverhalten wie auf Schienen, auf engen, winkligen Trialpfaden muß man das Bike allerdings mit viel körpereinsatz dirigieren. Die Frontfederung spricht sensibel auf kleine Stöße an und schaukelt sich auch bei hohem Tempo nicht auf. Darüber hinaus kann man sie optimal auf sein Gewicht und den Einsatzbereich abstimmen. Das hintere Fox-Federbein steht der Federgabel in keiner Weise nach: Auch hier schluckt die Federung zuverlässig alle Schläge und Unebenheiten, ohne bei hohem Tempo aus der Kontrolle zu geraten .

ZIELGRUPPE:
 Cannondale zeigt, was ´93 technisch machbar ist: Das Super V 3000 besitzt den ungewöhnlichsten Rahmen des Marktes, eine sportliche Geometrie und exzellente Federelemente. Für ambitionierte Downhillcracks gibt es derzeit vermutlich kein besseres Abfahrtsbike. Bergauf und im Cross-Country-Einsatz kommt man mit weniger High-Tech allerdings besser zurecht.

PREIS-LEISTUNGS-VERHÄLTNIS:
 Sehr gut: Für 6500 Mark bekommt man einen sehr gut verarbeiteten Alu-Rahmen, die komplette XTR-Gruppe und eines der besten Federungssysteme auf dem Weltmarkt. Im Vergleich zum Cannondale wirken viele Konkurrenten überteuert.

IMAGE:
 Sehr gut: Hohe Qualität und ein unverkennbares Design haben Cannondales guten Ruf über Jahre gefestigt. Die Vorreiterrolle in der Federungstechnik trägt weiter zum ausgezeichneten Image bei. Einziger Nachteil für Delta V-Besitzer: Man fällt auf wie ein bunter Hund.

Versteckspiel: Die Frontfederung befindet sich in dem wuchtigen Steuerkopf.
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